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Schweigen und spielen   S25.04.2002 /Nr.96 / S.39

   Tennistrainer Nic Marschand coacht

 künftig Barbara Rittner

Manchmal ist es besser, wenn nicht so viel geredet wird. „Wir haben stillschweigend mit dem Training angefangen“, sagt Nic Marschand.

Bereits seit März trainiert der Münchner Coach die Leverkusener Tennisspielerin Barbara Rittner – ihr gemeinsames Ziel sind die Top 30 im WTA- Ranking.

Am Rande der Vorbereitung zur Fed-Cup-Begegnung gegen Russland in Dresden hat Barbara Rittner die Zusammenarbeit erstmals öffentlich gemacht.

Die Zurückhaltung der 29-Jährigen im sonst eher verplauderten Tenniszirkus hat einen speziellen Grund: Rittners neuer Trainer Nic Marschand hat sich vor einigen Monaten mit dem einstigen Davis-Cup-Teamchef Niki Pilic überworfen – der bis vor kurzem noch sein Vorgesetzter als Leiter der Pilic- Tennisakademie in Oberschleißheim war. Marschand verließ Pilic’ Tennisschule und eröffnete mit zwei weiteren Trainern eine eigene Ausbildungsstätte in München. Damit die Zusammenarbeit mit Barbara Rittner nicht unter dem Zwist mit Niki Pilic leidet, wollte Marschand die Neuigkeit nicht gleich öffentlich machen. „Jetzt ist es eben herausgekommen – und die Zusammenarbeit klappt wirklich gut.“

Mit 18 Jahren hatte Barbara Rittner 1991 als erste Deutsche das Wimbledon-Turnier der Juniorinnen gewonnen, kurz darauf wurde sie ins Fed-Cup- Team berufen. Seit zehn Jahren beendet sie die Saison regelmäßig unter den Top 100. Derzeit belegt sie als drittbeste Deutsche Platz 67 – hinter Marlene Weingärtner (64.) und Martina Müller (65.).

Vor einiger Zeit war die Spielerin auf Marschand zugekommen. „Sie hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, sie zu trainieren“, sagt Marschand. Er hatte: „Für mich ist sie die beste deutsche Spielerin.“ Er sieht es als Vorteil an, dass sein neuer Schützling kein ahnungsloser Teenager ist, sondern zu den Routiniers gezählt wird. „Sie respektiert mich und ich respektiere sie“, sagt er. „Außerdem weiß Barbara ganz genau, wie das Leben auf der Tour abläuft. Sie kann auch mal ein Turnier ohne Trainerbegleitung spielen.“ Die Zusammenarbeit mit Nic Marschand soll überwiegend in München stattfinden – 20 bis 25 Wochen im Jahr wollen die beiden gemeinsam trainieren.

Im Februar 1993 erreichte Barbara Rittner mit Rang 24 in die Weltrangliste die beste Platzierung ihrer Karriere. Nun möchte sie zumindest noch einmal in die Reichweite ihrer damaligen Leistung gelangen. Zuvor allerdings soll sie als älteste und erfahrenste Spielerin im deutschen Fed-Cup- Team die Youngster Weingärtner, Müller und Bianka Lamade zum Sieg gegen Russland führen. „Bundestrainer Markus Schur nennt mich die Mutter der Kompanie“, sagte sie in Dresden.

cwa